Ein Musikinstitut in Gaza, eine Familie über drei Länder verteilt, und was jetzt gebraucht wird
Seit 1998 wird Gaza etwa alle zwei Jahre bombardiert. Die Offensiven dauerten oft mehr als zwanzig Tage, manchmal mehr als einen Monat. Durch all das hindurch führte eine Familie dort ein Musikinstitut. Es wurde mehr als fünf Mal getroffen. Fünf Mal haben sie es aus eigenen Mitteln wieder aufgebaut.
Im Institut in Gaza standen Klavier, Ouds und Urkunden zwischen Konzertplakaten. Nach dem Beschuss lag derselbe Raum unter Trümmern — das Klavier zersplittert, die Wand offen zur Stadt.
Vorher
NachherDer Unterricht umfasste die ganze Breite: Instrumente, westliche wie arabische, dazu Solfège, Musiktheorie und Notation. Getragen wurde er von der Familie über drei Generationen, dem Vater, seinem Sohn, dem Enkel und der ältesten Tochter, die ihren Vater bei jedem musikalischen Projekt unterstützte. Das Institut arbeitete nicht nur für sich selbst, sondern für eine ganze Gemeinschaft: für Kinder, für Eltern, für Familien ohne Geld. Musikalische Bildung unter diesen Bedingungen aufrechtzuerhalten, verlangte Beharrlichkeit gegen erheblichen Widerstand.
Eines der Projekte war ein Kinderchor. Acht Monate lang arbeiteten die Kinder mit einem Team aus Musik- und Gesangslehrkräften. Sie wurden im Krieg getötet, alle Kinder auf dem Foto des Chores.
Während eines der Angriffe, ohne Vorwarnung, war der Vater in der Schule, die die Familie im Gebäude des Palästinensischen Roten Halbmonds aufgebaut hatte. Das Dach stürzte ein und begrub ihn. Die Familie hielt ihn für tot. Ein Team des Roten Halbmonds grub ihn aus; er atmete, schwer verletzt, Kopf und Körper voller Blut. Die Mutter war an diesem Tag Gemüse einkaufen und geriet in denselben Angriff.
Diesmal war alles weg. Ein Zuhause sind nicht die Wände, es sind die Jahre, die darin gelebt wurden: die Fotografien des Sohnes von Geburt an, seine Sachen, die Andenken eines ganzen Lebens. Ein Wiederaufbau ist nicht möglich, weil es keinen Ort mehr gibt, an den man zurückkehren könnte. Helfer brachten den Vater, die Mutter und den Enkel nach Ägypten. Sie kamen ohne Kleidung an, ohne Dokumente, ohne Medikamente.
Der Vater, die Mutter und der Enkel leben seit Monaten in Kairo, im Gästezimmer der Familie eines Freundes, ohne eigene Möbel. Die Tochter lebt in Deutschland und unterstützt von dort gleichzeitig ihren Sohn und ihre Eltern. Ihre Schwester ist mit ihren zwei Kindern in Gaza eingeschlossen, allein, ohne Einkommen und ohne ausreichende Versorgung. Für den Vater ist das ein eigenes Kapitel: keines seiner Kinder ist im Alter an seiner Seite.
Der Vater trägt einen Splitter im Auge, den er auf der Flucht erlitt. Sein Sehvermögen hat sich seither so verschlechtert, dass er auf diesem Auge nahezu blind ist und eine weitere Operation benötigt. Sein Herz wurde genauso hart getroffen: der Verlust seines Zuhauses und seiner Lebensgrundlage durch willkürliche Bombardierungen hielt ihn über Jahre unter Stress, es bildeten sich Blutgerinnsel, und er musste sich einer offenen Herzoperation unterziehen, die durch seinen Diabetes kritisch wurde. Ohne durchgehende Medikation verschlechtert sich sein Zustand weiter.
Die Mutter verlor ihre Hörgeräte auf dem Weg in einen Schutzraum. Eine Fachärztin hatte ihr vor Jahren eine Behandlung verordnet, dokumentiert und ins Deutsche übersetzt. Sie wurde nie durchgeführt, und ihr Zustand hat sich seither deutlich verschlechtert. Ohne Hörgeräte ist sie abgeschnitten, vom Gespräch und von der Musik, die ihr Leben war. Die Eltern haben in Ägypten keine Krankenversicherung; jede Operation und jedes Medikament wird aus eigener Tasche bezahlt.
Der Enkel wurde von seiner Mutter unterrichtet und gilt als außergewöhnliches Talent. Um seine Ausbildung und seinen künstlerischen Weg fortzusetzen, braucht er die einfachsten Dinge: ein eigenes Zimmer, einen Schrank, Kleidung.
Ein eigenes Haus und irgendwann wieder ein kleines Institut, auch weit weg von Gaza, bleiben das Ziel der Familie. Diese Kampagne finanziert das nicht. Sie finanziert, was jetzt möglich ist.
Fünf Mal haben sie neu angefangen, weil sie glaubten, dass Musik Menschen zusammenbringt. Was sie heute brauchen, ist prosaischer: eine Wohnung, Medikamente, eine Operation. Alles andere beginnt dort.
Auf Wunsch der Familie nennen wir keine Namen. Angehörige sind noch in Gaza. Dem Verein liegen die vollständigen Informationen vor: die Identität der Familie, medizinische Unterlagen und Kostenschätzungen. Anonym ist die öffentliche Darstellung, nicht die Verwaltung. Über die Verwendung der Mittel berichten wir im Kampagnen-Blog.
Wichtig: Bei einer Überweisung muss der Verwendungszweck „Sada-al-Nawras“ angegeben werden, sonst kann die Spende nicht zugeordnet werden.
Die Kampagne wird getragen von der Initiative Hilfe für Einzelschicksale international e. V., Saarstraße 5, 66763 Dillingen, Deutschland. Der Verein ist nach deutschem Recht als gemeinnützig anerkannt, führt das Spendenkonto und ist für die Verwendung der Mittel verantwortlich. Spenden sind in Deutschland steuerlich abzugsfähig.
Verwendungszweck: Sada-al-Nawras